Die Geschichte vom weinenden Kamel – Review

weinende-kamelManchmal sind die einfachsten Geschichten so intensiv, dass sie unser Herz erweichen…

Heute möchte ich Euch „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ aus dem Jahre 2003 vorstellen. Hierbei handelt es sich um einen halbdokumentarischen Film der mongolisch-stämmigen Drehbuchautorin und Regisseurin Byambasuren Davaa, die auch bei „Die Höhle des gelben Hundes“ Regie geführt hatte. Produziert wurde der Film von Tobias Siebert (von Haus aus Musikproduzent).

Story

Die Handlung ist wie ich ansprach sehr simpel gestrickt. Es geht um eine mongolische Nomadenfamilie, die mit ihrer Herde (Schafen und Kamelen) in der Wüste Gobi lebt und mit den dort herrschenden Lebensbedingungen von jeher zurechtkommt. Grundkapital und wichtigste Lebensgrundlage sind dabei die Tiere, diese liefern Milch, Fell und Fleisch.

Da im Film viele Kamele der Familie ihren Nachwuchs erwarten, lässt die Haupthandlung auch nicht lange auf sich warten und der eigentliche „Star“ des Filmes tritt in Erscheinung. Nach einer schweren Geburt, bei der der erfahrene Großvater und der Vater der Familie mithelfen, kommt ein wunderschönes weißes Kamelkalb zur Welt. Zum Glück ist das Kleine wohlauf, denn die Geburt neuer Tiere ist unabdingbar für das Überleben der Nomaden in der Wüste.

Leider war die Geburt für die Kamelmutter eher eine Tortur als ein freudiges Ereignis und möglicherweise verstößt sie auch deshalb ihr neugeborenes Kalb. Sie lässt das Kleine nicht von der lebensnotwendigen Muttermilch trinken und auch jeder Versuch, sie zu beruhigen und doch dazu zu bringen, scheitert.

Da das Füttern per Hand auch nicht viel bringt und das kleine Kamel immer schwächer wird, beschließt die Familie, einen Pferdekopf-Geiger zu engagieren, der mit seiner Musik das Herz des Muttertieres erweichen soll, damit diese das Kalb trinken lässt.

Also schickt die Familie ihre beiden Söhne in die Stadt, um einen geeigneten Musiker zu finden.

Ob dieses sogenannte „Hoos-Ritual“ wirklich funktioniert, müsst ihr selbst herausfinden.

Fazit

18387646-jpg-r_640_600-b_1_d6d6d6-f_jpg-q_x-20041103_123101In dieser Kritik lasse ich bewusst die Punkte, die sich auf Schnitt, Ton und Bildqualität beziehen heraus, da diese nicht zur eigentlichen Qualität des Filmes beitragen und auch nicht in diesem Zusammenhang in die Bewertung einfließen sollten. Nur so viel dazu: Der Film ist mit einer modernen Kamera aufgenommen worden und der Ton, bei dem man nicht meckern kann, wurde zum Glück auch nicht vergessen. Außerdem ist die mongolische Landschaft einfach wunderschön und facettenreich.

Das Interessanteste an diesem Film und auch an anderen Filmen von  Byambasuren Davaa ist, dass es sich bei den Hauptakteuren meist nicht um Schauspieler handelt. Oft werden Menschen aus dem alltäglichen Leben gefragt, ob sie bei den Geschichten mitwirken wollen. Genauso verhält es sich hier. Es handelt sich tatsächlich um eine mongolische Hirtenfamilie, deren Leben dokumentiert wird. Lediglich bei der Geschichte um das verstoßene Kalb und den Pferdekopf-Geiger wird ein wenig nachgeholfen. Aber dieser Brauch wird in dieser Weise wirklich erfolgreich praktiziert und die Geschichte bleibt authentisch.

Alles in allem nehmen mich viele Aspekte bei diesem Werk mit auf eine Reise in eine für uns Europäer anders erscheinende Welt. Zum einen ist das die unglaubliche Weite und Schönheit der Mongolei mit ihren Tieren und Landschaften, zum anderen die Ruhe und Gelassenheit der Menschen, die hier nicht nur überleben sondern wirklich ihr Leben genießen, auch wenn es uns hart erscheinen möchte. In der Grundstimmung findet man hier keinen Stress, keine Unruhe oder Konflikte, alles wird bedacht und gewissenhaft angegangen und auch das Problem des kleinen weißen Kamels wird in aller Ruhe und mit Erfahrung in Angriff genommen.

Mir bleibt nur zu sagen: Nehmt Euch ein wenig Zeit und taucht wirklich ein in diesen Film, ich versichere Euch, er wirkt besser als jede Meditation.

Preislich ist man bei der DVD bei ca. 5,00€ dabei.

Ravenscore: 8,5 von 10

 

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