planetbannerDer phantastische Planet ist ein Zeichentrick-/Science-Fiction-Film aus dem Jahre 1973, bei dem Réne Laloux, ein hierzulande eher unbekannter Filmschaffender aus Paris, Regie führen durfte.

Hintergrundinfos:
planet1Alain Goraguer hat die Filmmusik komponiert. Dieser Name wird den meisten Menschen auch eher wenig sagen, aber vielleicht werden sich bei dem Einen oder Anderen doch die Ohren spitzen, da dieser, ebenfalls ein französischer Zeitgenosse, die Einspielmusik zu „Ich heirate eine Familie“ und „Ein Heim für Tiere“ komponiert hat.

Der Film wurde in Frankreich und in der Tschechoslowakei, teils mit sehr primitiven aber stilistisch gekonnt eingesetzten Mitteln produziert. Z. T. kamen sogar Buntstifte zum Einsatz.

Handlung und Setting:

Zusammengefasst ließe sich eher leicht erklären, dass es sich um einen klassischen Sci-Fi-Film handelt, der sich mit dem Mythos der Entführung von Menschen durch Außerirdische beschäftigt.

Doch weit gefehlt, so einfach ist das bei Leibe nicht.
planet2Die Haupthandlung ist auf einem fernen Planeten namens „Ygam“ angesiedelt, einer eher spärlich „eingerichteten“ surrealen Welt, deren Flora und Fauna sich so abwegig grotesk darstellt, dass es in ihrer Verrücktheit schon fast wieder plausibel erscheint.

Ich erinnere mich hierbei an kristalline Formen, die wie aus dem Nichts aus dem Boden sprießen und an kichernde, in Käfigen lebende Tiere, die mit ihren armähnlichen Nasen kleine stupide Fledermäuse erschlagen, die eher an eine Mischung aus Mücke und Gremlin erinnern… ja, es ist schwer zu beschreiben…

Die intelligente, den Planeten beherrschende und auch formende Intelligenz manifestiert sich in den sogenannten Drags (nicht zu verwechseln mit der den Menschen feindlich gesinnten Weltraumrasse aus „Enemy mine“ – Geliebter Feind). Die Drags sind eine hochintelligente, ca. 20 Meter große amphibisch-humanoide Rasse mit blauer Haut und leeren Augen.

Diese drücken sich sehr gewählt aus, organisieren und engagieren sich politisch und meditieren die meiste Zeit des Tages. Die Meditation nimmt in ihrer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert ein.

Eine perfekte Meditation bewirkt dabei eine Art „Wanderschaft“ der Seelen der Drags (im Film als Blasen dargestellt, in der die jeweilige Person als Miniatur sitzt), wobei sich diese, bzw. ihr Bewusstsein auf dem Nachbarplaneten, dem phantastischen Planeten wiederfindet. Dieser Zustand ist absolut erstrebenswert und er stellt auch einen Teil des Erwachsenwerdens da. Im Film kommt eine feierliche Zeremonie vor, die dies belegt.

Um einer weiteren Verwirrung vorzubeugen erkläre ich Euch den Sinn der Meditation, um im Folgenden auf den eigentlichen Story-Hintergrund zu kommen. Die Meditation ist zum einen ganz einfach eine lebensnotwendige Aktivität und dient zum anderen der Fortpflanzung. Ja, Ihr habt richtig gelesen ;). Auf dem phantastischen Planeten, der ebenfalls überaus karg ist, stehen einige „Kalkfiguren“, die durch die Seelen der Drags „aktiviert“ werden können. Alles Weitere könnt Ihr euch selbst vorstellen bzw. im Film nachschauen.

Schlussendlich bleibt über die Drag noch zu sagen, dass sie Terraforming betreiben und jüngeren Vertreter dieser Spezies durch eine Art „Denkmaschine“ lernen, die Informationen direkt über eine Art Halsband an das „Drag-Gehirn“ schickt.

Ach ja,… und sie halten sich Menschen (hier „Om“ genannt), die vor Urzeiten von der Erde entführt worden sind, als Haustiere…

Genau, jetzt sind wir bei dem Kernthema, das ich ja im Vorfeld angesprochen habe. Es geht hier nicht mehr um die Entführung von Menschen, sondern vielmehr um die Situation: WAS PASSIERT DANACH?

planet3Die Analsonden kamen erst später, soviel vorweg. Dieser Film behandelt einen Überlebenskampf und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn hier sind die „domestizierten“ Menschen nichts weiter als Haustiere. Ungebildet und nicht wissend von ihrer wahren Natur und Intelligenz fristen sie seit Jahrhunderten ein Dasein von Schoßhunden, Spielfiguren oder Schaukämpfern für Dragkinder, die sich einen Spaß daraus machen, wenn der eine oder andere doch „kaputt geht“.

Die anderen, nicht domestizierten oder entflohenen Menschen sind nur eins: Ungeziefer. Mittlerweile ist die menschliche Rasse zu einer Plage geworden, denn die Menschen vermehren sich um ein Vielfaches schneller als die Drag. Deshalb beschließt die Drag-Regierung, die frei lebenden Om auszurotten…

Aber wie in jeder guten Story wird ein Held kommen, jemand, der sich auflehnt und den Aliens kräftig in Arsch treten wird. Und sein Name ist TERR!

Na das kann ja was werden…

Persönliche Meinung:

Meine persönliche Meinung hat mich verleitet Euch nicht den gesamten Inhalt des Filmes zu beschreiben, da ich finde, dass jeder dieses Stück Sci-Fi-Geschichte zumindest einmal gesehen haben sollte. In seiner Verrücktheit und Überdrehtheit besitzt der Film einen mannigfaltigen, wenn auch zum Teil an von Drogen hervorgerufene Zustände erinnernden Charme, dem ich mich nicht entziehen konnte. Die künstlerische Freiheit steht in diesem Streifen klar im Vordergrund, es geht jedoch nichts von der Wirkung der Story verloren.

Die Siebziger eben…

Fazit:

Wer auf Sci-Fi der anspruchsvollen aber verrückten Art steht und sich auch für ein wenig „Gaga“ nicht zu schade ist, sollte sich diesen Film unbedingt zulegen. Der starke Kontrast zu Hollywood-Brechern wie Transformers etc. überzeugt massiv und bei einem Neupreis von ca. 3-7 Euro (Vertrieb Laser-Paradise) kann man nicht meckern ;).

Einige Quellen munkeln auch, dass man sich den Phantastischen Planeten auch kostenlos auf YouTube ansehen kann.

Ravenscore: 8 von 10

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